Du warst noch nie auf einem Festival? Wirklich noch nie?

Die meisten Leuten können sich das bei jemandem wie mir nicht vorstellen, aber die Wahrheit sah nun mal so aus. Etliche Konzerte habe ich in den letzten Jahren besucht, doch auf ein Festival hat es mich bisher nie gezogen.
Vermutlich rührt das aus meiner Vorstellung heraus, dass Festivals mit betrunkenen, gröhlenden Menschenmassen, überfüllten Zeltplätzen und Schlafmangel gleichzusetzen sind. Alles eher Punkte, die ich mich abgehalten haben – und überhaupt hat es sich auch nie so richtig ergeben. Und aus meinem Gefühl jetzt heraus kann ich sagen, dass ich es schade finde und das ändern werde.

SAMSTAG (08.09.)

 

Es ist Samstagnachmittag und ich mache mich mit einer Freundin im Gepäck los aufs Festivalgelände. Das erste was mir auffällt sind diese etlichen ausgefallenen Outfits, die mir in einer Staubwolke aus aufgewirbelten Sand begegnen. Überall sah ich Glitzer und Blumenkränze so weit das Auge reichte. Mir gefiel was ich sah, nur war ich selber eindeutig zu „normal“ gekleidet und hätte mehr aus mir heraus gehen können – das weiß ich fürs nächste Jahr, dann gilt: „Mehr ist Mehr“.

Zuerst zog es uns zu Years & Years, wo wir relativ schnell Freunde von mir trafen und alle gemeinsam in der Nachmittagssonne tanzten.

Anschließend wechselten wir von der Main Stage 1 zur Main Stage 2 um Ben Howard zu sehen. Obwohl ich seine Musik rauf und runter höre, hat mich sein Auftritt auf dem Festival so gar nicht abgeholt. Ich weiß nicht ob es am Sound lag oder an der Stimmung die nicht aufkommen wollte, dennoch Ben- wir haben uns sicherlich nicht das letzte Mal gesehen.

Anschließend genossen wir dann Caspar – für viele Leute ein Line Up Highlight und der Grund ihres Besuchs. Beim Auftritt gröhlte die Masse mit, schrien sich die Liedtexte auf dem Hals und bewegten sich zu den Beats – es war toll. Als dann noch Materie auf die Bühne kam war das Spektakel perfekt. Die Sonne stand schon tief am Himmel als die Rapper die Bühne verließen. Es wurde Zeit auf Nahrungssuche zu gehen.

Etliche Stände boten unterschiedlichste Speisen an, und wenn man die Muße hatte sich anzustellen konnte man auch gut satt davon werden.

 

 

 

Gestärkt zog es uns dann zu The Weekend. Dort wollten wir einige Songs verweilen um dann zu meinem persönlichen Highlight zu wechseln: David Guetta spielte als Main Act auf der Perry Stage, die einzige Bühne, die sich innerhalb des Olympiastadions befand. In meinen Augen ein dramatischer Fehler von Seiten des Veranstalters. Wie zu erwarten zog es viele Leute zu diesem Künstler, denn auch wenn K.I.Z zur selben Zeit spielte, war die Masse, die den Sound von Guetta nicht verpassen wollte, enorm.

Es kam zu einem temporären Einlassstopp und niemand wurde mehr zur Perry Stage reingelassen, ich eingeschlossen. Da fand ich mich also wieder in einer Massenansammlung von Menschen, die sich alle gegeneinander drückten, um irgendwie die Chance zu bekommen eventuell doch noch hinein gelassen zu werden.

Aus der temporären Einlassverwehrung wurde dann ein Einlass- Stopp. Durch ein Megaphone wurde die Info durchgesagt, dass es einfach zu viele Menschen sind, niemand mehr reingelassen wird und man seine Zeit nicht damit verschwenden sollte zu warten, denn es gäbe noch andere Bands, die man sich anschauen könne.

Anfragen die Sitzränge zu öffnen, damit alle die selbe Möglichkeit und Chance auf die Performance haben, wurde nicht berücksichtigt.

Die Masse wurde sauer, es war spürbar, dass die Emotionen langsam aber sicher hochkochten. Die Mehrheit wolle sich beschweren, weil sie von weit aus angereist waren und alle sehr viel Geld für die Tickets bezahlt hätten und damit ein Recht auf den Auftritt des Künstlers hätten. Leider ist das falsch. Laut Punkt 2A der AGBs vom Lollapalooza Festival behält sich der Veranstalter das Recht vor Bereiche wie Bühnen oder Ähnliches aufgrund von Sicherheitsgründen oder Überfüllung zu schließen.

Ich selbst stand in der ersten Reihe den Polizisten gegenüber und musste mir eingestehen, dass ich David Guetta an diesem Tag nicht sehen würde. Alles was ich bekam war die Sicht aufs Feuerwerk, welches seine Show abrundete.

Frustriert machten wir uns auf den Heimweg – die Enttäuschung war den Leuten selbst am Bahnhof noch ins Gesicht geschrieben.

 

SONNTAG (09.09.)

Den zweiten Tag startete ich mit neuer Euphorie und Vorfreude auf dem späten Mittag mit zwei Herzmenschen im Schlepptau. Relaxt aber fokussierter als beim ersten Tag machten wir uns ans Werk. Wir schauten Tänzern zu, schlenderten durch den grünen Kiez und fertigten uns Blumenhaarkränze an. Auch hier traf ich auf bekannte Gesichter und führte nette Gespräche. Darüber hinaus hatte ich die gesamte Zeit das Gefühl, dass die Stimmung sehr positiv war. Die Menschen, die mir begegneten oder hinter mir in Schlangen anstanden, waren super freundlich und aufgeschlossen.

Erst zu Freundeskreis fanden wir uns nachmittags an der Stage ein und genossen bei Klängen, die mich persönlich total an meine Jugend erinnerten, die Sonne. Zu dritt zogen wir anschließend weiter, und stärkten uns an einem der vielen Food Trucks auf dem Festivalgelände. Hier konnte man von Maultauschen, Crepes bis hin zu chinesischem Essen oder Burger mit Pommes alles bekommen.

 

 

Was an dieser Stelle keine unwichtige Information ist: Das Lollapalooza ist ein bargeldloses Festival. Auf dem gesamten Gelände kann man weder mit Bargeld noch mit Karte bezahlen. Ausschließlich das zuvor auf sein Ticket geladene Geld ist als Zahlungsmittel akzeptiert. Aufladen kann man sein Ticket im Vorfeld im Internet mittels Visa oder Master Card oder eben auf dem Gelände an sogenannten Cash Points an denen man gegen eine Gebühr von 1 Euro sein Guthaben aufladen kann.

An dieser Stelle hätte ich mir gewünscht, dass man im Vorfeld auch die Möglichkeit der Paypal Zahlung hat, denn ich besitze selbst keine Kreditkarte und war somit gezwungen mich während des Festivals in eine Schlange zu stellen, um mir vor Ort überhaupt etwas kaufen zu können.

Nach dem Essen feierten wir dann ausgelassen zu den Klängen von Imagine Dragons an der Main Stage 2 und sahen zu wie die Skyline die Sonne nach und nach verschluckte. Durch unsere Erfahrungen am Vortag entschlossen wir uns vor dem Ende des Acts in Richtung Perry Stage loszuziehen, um den Main Act an diesem Abend nicht erneut zu verpassen. Diesmal stand Kygo auf dem LineUp und wieder war es die Perry Stage im Stadiongelände.

Es dauerte nicht lange und es zeigte sich dasselbe Szenario wie am Samstag zuvor, doch dieses Mal sollten wir Glück haben und gelangten vorbei an den Polizeibeamten in den abgesperrten Bereich und suchten uns ein passenden Platz. Witzigerweise standen wir dann erneut neben zwei bekannten Gesichtern (Lieben Gruß an euch) und vertrieben uns die Zeit gemeinsam bis die Show begann.

 

 

Ich für meinen Teil war und bin noch immer geflasht von diesem Konzert. Die Stimmung war toll, die Lichtershow war klasse, der Sound war gut und ich habe mit einem Gesicht voller Glitzer so viel getanzt wie schon lange nicht mehr.
Irgendwie konnte ich dort so richtig loslassen, bin gesprungen sowie herum getanzt bis die Füsse schmerzten und habe die Welt drum herum total vergessen.

Allein für diesen Auftritt von Kygo hat sich das Lollapalooza in meinen Augen schon alleine mehr als gelohnt – es war wirklich einfach fantastisch. Zuhause angekommen war ich noch immer total euphorisiert und glücklich darüber dort gewesen sein. Ich denke damit habe ich die Frage, ob ich nächstes Jahr wieder dabei sein werde schon beantwortet.

 

Auf jeden Fall bin ich dabei – Lollapalooza 2019!

 

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